Die Hand auf meinem Hintern drückt mich kraftvoll voran, schubst und klopft ungeduldig, um mich anzutreiben, während ich mich durch die Menschenmenge zur Tür der Metro drängele. Ich drehe mich um, erwarte fast, einen Mann zu sehen, der die Enge des Waggons für unerwünschten Körperkontakt ausnutzt, doch es ist eine Frau mittleren Alters, die mich noch nicht mal eines Blickes würdigt, sondern einzig ihr Ziel im Auge hat: den Ausgang. Im Weg bin jedoch nicht nur ich, sondern gleich eine ganze Traube von Menschen, die sich an der Station zuvor eben erst in den Wagen gequetscht hat. Schneller gehen kann ich beim besten Willen nicht, und trotzdem werde ich geschoben und gedrängt, als ob die Leute befürchteten, ich würde es mir gleich wieder anders überlegen und umdrehen.

U-Bahn fahren ist vermutlich in keiner Millionenstadt ein Vergnügen, in Hongkong wird es jedoch durch den Wechsel der Kontraste gefühlt noch anstrengender. Steht man im einen Moment brav wie eine Herde Schafe in einer geraden Reihe vor der Metro-Tür, mit gebührendem Abstand zueinander und einem höflich geflöteten „Excuuuse me“ auf den Lippen, sollte man aus Versehen doch mal jemanden streifen, hat man, sobald sich die Türen des einfahrenden Zuges öffnen, plötzlich mit schubsenden, drängelnden Menschenmassen zu tun.
4,84 Millionen Fahrgäste nutzen die Bahnen durchschnittlich am Tag. Kein Wunder, dass es in Stoßzeiten zu Drängeleien kommt. Was die Nutzung dennoch erträglich macht? Die Bahnen fahren im 2-3 Minutentakt, allzu lange warten muss man also nie. Essen und Trinken ist verboten, was oft nervt, aber zur Folge hat, dass sowohl das Wageninnere als auch die Stationen unglaublich sauber sind. Und wie es bei den meisten Dingen im Leben so ist, die einem zuerst unangenehm auffallen: Man gewöhnt sich dran. Erwischt man sich irgendwann selber beim Drängeln und Schubsen, erschrickt man vielleicht darüber, die gute Kinderstube vergessen zu haben. Oder sieht es positiv und freut sich, anscheinend richtig angekommen zu sein in der neuen Kultur.